katya kabanova 

hessisches staatstheater wiesbaden | 2016 | 2018 revival

 

 

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"Wiesbadens Katja Kabanowa in der Originalsprache und in der Inszenierung von Matthew Wild betont die destruktiven Lebensumstände seiner Protagonisten. Die Handlung wurde aktualisiert. Der Zuschauer blickt auf eine abstoßend hässliche Plattenbausiedlung (Ausstattung: Susanne Füller, Matthias Schaller). Eine triste Bushaltestelle, ein Gulli und ein kleiner Spielplatz sind die einzigen Zufluchtsalternativen in dieser visuellen Misere. Kein Wunder also, dass Katja da raus will. In der Anonymität dieser Siedlung verbirgt sich manches Geheimnis, surreal wirkende Teufelsgestalten tauchen auf und verschwinden. Ständig beobachten Nachbarn das Geschehen aus dem Fenster. Sehr kunstvolle, kreative Videoprojektionen zeigen Kaja immer wieder unter Wasser. Interessant die Sicht mit dem gar nicht so duckmäuserischen Muttersöhnchen Tichon, der hier als versteckt agierender Homosexueller gezeigt wird, der sich heimlich mit seinem Liebhaber zum Stelldichein trifft. Die Interaktion zwischen den Personen wirkt ungemein schlüssig und sensibel aus der Musik heraus entwickelt. In der all der Ödnis schafft Wild immer wieder auch Bildwirkungen, die die Realität auflösen und ins Surreal-Poetische überhöhen ... Das leider eher spärliche erschienene Publikum verfolgte hoch konzentriert diesen unvergesslichen Abend und feierte ausdauernd alle Mitwirkenden. Unbedingt hingehen!" ONLINE MERKER

"Kleine Fluchten aus der Holle des Alltags: Am Staatstheater Wiesbaden beeindruckt eine Neuinszenierung der Oper Katja Kabanowa. Das von Matthias Schaller und Suzanne Fuller konzipierte Buhnenbild zur Wiesbadener Neuinszenierung der Oper Katja Kabanowa von Leos Janacek bed sticht durch asthetische Ökonomie. Ein grauer Plattenbau, eine in die Jahre gekommene Schaukel und em verwahrIostes Wartehäuschen mit Putin-Plakat ge- nugen, um die Tristesse eines in der Ausweglosigkeit erstarr ten Milieus zu vergegenwärtigen. Dessen potentielle Aktualität findet sich in der Neuinszenierung von Matthew Wild kursorisch angedeutet, ohne einen zeitlichen Bezugsrahmen zur Deutungsgrundlage zu machen. Es geht um die zeitlosen Sehnsuchtsschichten in der Psyche und ihr konfliktuöses Verhältnis zu den Grundmustern zwischenmensclilicher Beziehungen." FRANKFURTER ALLGEMEINE

"Leos Janáceks Katja Kabanowa in einer überzeugenden Interpretation am Staatstheater Wiesbaden ... Am Ende alles auf Anfang. Das Mädchen auf der Schaukel, das in den Straßenkanal abgetaucht war, klettert ebenso zurück wie Katja Kabanowa, Titelfigur in Leos Janáceks 1921 uraufgeführter sechster Oper. In die Wolga hat sie sich gestürzt, die der südafrikanische Regisseur Matthew Wild auf der Bühne des Großen Hauses im Wiesbadener Staatstheater freilich unter Gully-Deckel verbannt hat. Denn aus der fiktiven Wolgastadt Kalinow, in der Alexander Ostrowskis Schauspiel „Das Gewitter“ ebenso spielt wie Janáceks darauf basierender Dreiakter, ist in Wilds Inszenierung eine postsowjetische Plattenbausiedlung geworden. Mit Putin-Plakat im Buswartehäuschen, mit Alkohol und einer Rakete, die als rostiges Spielgerät immer am Boden bleiben wird. So, wie Katja Kabanowa vom Fliegen ihrer Seele nur träumt. Im knallharten Realismus der Ausstattung von Matthias Schaller (Bühne) und Susanne Füller (Bühne, Kostüme) blitzen immer wieder irreale Bilder auf, von Teufeln in den Fenstern der bühnenhohen Plattenbau-Fassade etwa, die das ganze Szenenbild schlaglichthaft zur Innenwelt Katjas wandeln. Eine Videoprojektion zeigt sie immer wieder vorahnungsvoll durch Fluten tauchend. Diese verstörende Mischung aus slawischer Mythenwelt und gegenwartsgebundener Realität spiegelt treffend das Changieren der Musik Janáceks wider, die modern, wahr, aufreibend klingt, zugleich aber noch eindringliche Anleihen am Romantischen nimmt ... Matthew Wild, Leiter der Cape Town Opera, die vor drei Jahren mit George Gershwins Porgy and Bess bei den Internationalen Maifestspielen zu Gast war, hat erstmals selbst in Wiesbaden Regie geführt. Wie er in Janáceks konzentriertem Musikdrama narrative Stringenz mit reizvollen Assoziationen verbindet, bestätigen drei höchst heutig-virile Wassergeister. Sie tauchen in den flachen Bassins auf, die sich auf der Einheitsbühne langsam füllen. Und ein wenig Budenzauber darf im Spiel sein, wenn das Gewitter schon einmal einen Vorboten in das Wartehäuschen schlagen und es kräftig zündeln lässt – nicht zum ersten Mal, verrät die rußgeschwärzte Plattenbau-Fassade dahinter." WIESBADENER KURIER

 

"Das Staatstheater Wiesbaden zeigt Leoš Janácek Oper Katja Kabanowa. Das Publikum spendete einhellig Applaus für eine spannende Inszenierung ... In der Geschichte steckt aber noch mehr, wie Matthew Wilds Inszenierung am Staatstheater Wiesbaden eindringlich zeigt. Es ist nicht nur die Schwiegermutter; schon von früh an verdarben Strenge und rigide Moral das Kind. Man sieht das Mädchen eingangs auf der Schaukel, und dann, wie es, das Böse vorausahnend, unter einem Kanaldeckel verschwindet, bildlich für: ins Wasser geht, wie später die erwachsene Katja. Am Schluss sich das Kind wieder auf die Schaukel – das Stück könnte von vorne beginnen. Hinter einer Pfützenlandschaft auf der Bühne und dem trostlosen, noch aus einem Sputnikraketen-Klettergerüst bestehenden Spielplatz erhebt sich ein schmutziger Plattenbau; die Bushaltestelle davor steht für das Unstete, für Ankunft und Abschied, für eine Reise, die eigentlich nicht stattfindet. Kein Bus kommt an: Die Menschen bleiben, verändern sich nicht, ihr Leben verläuft im Kreis, es herrschen Tristesse, Angst und eine Atmosphäre von Bespitzelung.Diese aktuelle Dimension (Bühne: Matthias Schaller und Susanne Füller, die auch für die typisch-buntgrauen Ostblock-Hausfrauen-Kostüme zuständig ist) passt ebenso wie der ironische Gag, wenn ein junger Mann sich in den ersten Stock aufschwingt, um sich dort mit seinen Lebensgefährten zu vergnügen – Wladimir Putin sei vor, er blickt streng von einem Plakat im Wartehäuschen, aber in die falsche Richtung! ... Einhelliger Beifall für einhundert spannende Minuten!" FRANKFURTER NEUE PRESSE

 

"Beim ersten Anblick des Bühnenbildes scheint für den Kenner der Musiktheaterszene alles klar und erwartbar zu sein. Man sieht die schäbige Front eines osteuropäischen Plattenbaus. Postsowjetische Trostlosigkeit mit ausgebleichten Farben. Es stehen wohl wieder zwei Stunden „Eurotrash“ an, fürchtet der Kritiker. Und irrt sich gewaltig. Zum einen nämlich bietet dieses Bühnenbild von Matthias Schaller und Susanne Füller den durchaus werkgerechten Rahmen von Leoš Janáčeks Oper über das Zerbrechen einer jungen Frau an der erdrückenden Trostlosigkeit einer russischen Provinzstadt. Zum anderen aber zeigt sich bald unter der schartigen Haut des realsozialistischen Relikts eine zweite surreale Ebene. Sie ist visuell stark vom phantastischen Film inspiriert. Eines der filmischen Vorbilder wird in einem Plakat an der vor der Plattenbauwand postierten Bushaltestelle präsentiert: „Proklyatie“, „Der Fluch“, steht dort in kyrillischer Schrift unter der Fratze eines gehörnten Dämons. Solche gehörnten Dämonen spuken auch immer wieder durch die Inszenierung. Zunächst erscheinen sie schemenhaft hinter den Fenstern der Plattenbausiedlung, brechen den Realismus der Szene und deuten Unheil an, in ihrer Ähnlichkeit zu Satyrn mit nackten Oberkörpern aber auch triebhafte Sexualität. Mit der Zuspitzung im weiteren Handlungsverlauf werden sie zunehmend präsenter, um dann das tragische Finale im dritten Aufzug mit einem regelrechten Tanz der Teufel zu eröffnen. Daneben transzendieren immer wieder Sehnsuchtsbilder in dezent eingesetzten Videoprojektion den vordergründigen Naturalismus. Matthew Wild zeigt in seiner ersten Wiesbadener Regiearbeit eine erfrischend individuelle Handschrift, verläßt sich aber nicht bloß auf die faszinierend umgesetzte Idee einer unheimlich verdüsterten Variante des magischen Realismus, sondern zeigt auch in der Personenführung sicheres handwerkliches Können. So wird sehr glaubhaft und eindringlich die Geschichte einer sensiblen jungen Frau erzählt, deren Kindheitsträume zerplatzt sind, deren Mann unter der Fuchtel der sie fortwährend demütigenden Schwiegermutter steht, die in ihrer verzweifelten Sehnsucht nach Liebe bei der ersten sich bietenden Gelegenheit fremdgeht und daran schließlich zerbricht.Neben dem plastisch herausgearbeiteten erzählerischen Hauptstrang gelingt dem Regisseur mit einer Fülle an unaufdringlich und nur scheinbar beiläufig arrangierten szenischen Details ein dichtes Porträt des sozialen Umfelds der Titelfigur. Für den Gesamteindruck von großer Bedeutung ist dabei, daß neben den Sängerdarstellern auch zahlreiche stumme Rollen schauspielerisch ausgefeilt profiliert werden. Exemplarisch sei der in allen Akten präsente Lennart König als Jugendlicher ohne Halt und Perspektive genannt, ein Halbstarker mit unterdrückter Sexualität und Hang zum Alkohol. Insgesamt ist die Produktion szenisch derart dicht und musikalisch derart reichhaltig, daß man sie mehrfach erleben möchte." DER OPERNFREUND

 

"Noch vor der ersten Note greift die Tragödie. Ein Kind im rosafarbenen Kleidchen sitzt auf der Schaukel. Unbekümmert blickt sie in den Zuschauerraum. Dann beginnt die Ouvertüre. Während die Musik im fünfminütigen Zeitraffer die gesamte emotionale Entwicklung der Oper unter die Haut fahren lässt, schwingt sich das Kind von der Schaukel, stülpt kurz den nebenliegenden Astronautenhelm über, blickt sehnsuchtsvoll zur Spielplatz-Rakete, schaut auf die Häuserfassade zurück und hebt ohne Zögern den Gully-Deckel ab, um erschreckend friedvoll in die vermeintlichen Fluten der Wolga hinab zu tauchen. Hinter den Fenstern der Plattenbaufassade erscheinen die Waschweiber, die Dämonen, das Kind als Mädchen und als Frau. Regisseur Matthew Wild erzeugt mit dieser Kombination aus stummer Szenerie und dramatischer Musik eine beklemmende Atemlosigkeit, die nach einer pausenlosen eindreiviertelstündigen Aufführung tragisch endet, ohne sich im Bewusstsein des Zuschauers aufzulösen. Die Thematik ist nahezu zeitlos. Entsprechend schlüssig ist Matthew Wilds Konzept einer realistischen Darstellung. Matthias Schaller und Susanne Füller bauen eine heruntergekommene Plattenbaufassade, eine Busstation und einen Spielplatz mit Wasserbecken, wie er in Trabantenstädten überall zu finden ist. Dass die Handlung in Russland spielt, zeigen sie durch Plakate an der Busstation und an der Häuserwand, eines davon mit dem Konterfei von Wladimir Putin ... Das Publikum bedenkt diese in sich durch und durch schlüssige, sehens- und hörenswerte Aufführung mit großem Applaus." OPERNNETZ

 

"Matthew Wild zeigt eine stimmige Arbeit mit sehr gutem Personal. Im Mittelpunkt steht Sabina Cvilak's Katja. Sie spielt eine emotional gefasste, depressive junge Frau, sensibel nach innen gewandt und selbst in Liebeswallungen sich selbst zernagend. Ihr runder lyrischer Sopran kommt an keine Klanggrenzen und besonders im Pianissimo kann sie in dem großen Wiesbadener Haus weit leuchten und ihre Seele wie unter einem Brennglas vergrößern. Eine große Leistung." DER NEUE MERKER

 

 

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